Ostereier und Osterhase

Das Foto-Motiv stammt von einem Porzellanteller aus dem Jagdschloss Granitz (Rügen)

Schon als Kinder freuten wir uns über bunte Ostereier, die zuvor bemalt oder gefärbt wurden. Heute werden diese Bräuche und Traditionen kommerziell vermarktet, aber viele wissen wenig über den Ursprung der Symbolik.

 

Deshalb eine kleine Spurensuche:

 

Das Ei symbolisiert Fruchtbarkeit und Wiedergeburt und vor allem Vollendung. Bereits in Ägypten wurde das Ei als Ursprung der Welt gesehen und wurde als wichtige Grabbeilage den Verstobenen mit ins Grab gelegt, um die Auferstehung zu ermöglichen. Im antiken Griechenland und Rom wurden im Frühjahr zur Feier der Tag- und Nachtgleiche bunte Eier aufgehängt und verschenkt! Die Tag- und Nachtgleiche markierte damals den Beginn des neuen Jahres, und das Ei wurde an diesen Tagen als heiliges Symbol des Neubeginns verehrt. 

 

Das Christentum hat diese Symbolik übernommen und das Ei repräsentiert hier ebenfalls Wiedergeburt und Auferstehung. Im Mittelalter wurden sie rot gefärbt, um die heilige Bedeutung darzustellen und an das Leiden Jesus zu erinnern. Das Blut dass Jesus am Kreuz vergossen hat, wird so sichtbar gemacht. In der Griechisch-Orthodoxen Tradition werden auch heute noch die Eier rot gefärbt, allerdings wird das Osterfest erst später, nämlich nach dem julianischen Kalender begangen. In der christlichen Tradition wird Ostern am 1. Sonntag nach Vollmond und zwar nach dem Frühlingsbeginn gefeiert. Nach Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag leitet Ostersonntag einen Zyklus von 50 Tagen ein, der als Freudenzeit bis Pfingsten gilt. Nach der Fastenzeit und dem Tod Jesu, wird die Auferstehung bejubelt. Wiedergeburt, Neubeginn und Durchbruch ins Leben, im übertragenem Sinne, werden mit der Osterbotschaft verkündet. 

Das Motiv stammt von der Wandmalerei aus der St. Andres Kirche in Lancken Granitz 

Viele Osterbräuche, die wir heute kennen, haben heidnische Wurzeln und wurden, (manchmal in Abwandlung) übernommen. Denn einer uralten keltischen Legende nach, brachte die Göttin "Ostara" am Beginn aller Zeitein ein Ei zur Welt. Sie bewahrte es Jahrtausende von Jahren zwischen ihren Brüsten auf, wo es reifen konnte. Als sie bei dem Ei die ersten Sprünge bemerkte, legte sie es behutsam in die Dunkelheit. Aus dem Ei "schlüpfte" schließlich die gesamte Erde mit all seinen Pflanzen, Gewässern, Bergen, Tieren und Menschen. Aus dem Eidotter entwickelte sich die Sonne, die Licht in das Dunkel brachte.

 

Das Entzünden des Osterfeuers geht ebenfalls auf einen Brauch der Kelten und Germanen zurück. Das Feuer sollte den Winter endgültig vertreiben. Zusätzlich wird dem Element "Feuer" eine reinigende Wirkung zugesprochen. Die Asche des Feuers wurde auf die Äcker und Felder gestreut, um die keimende Saat vor bösen Geistern zu schützen. Mit diesem und anderen Segnungsritualen wurde fruchtbares Wachstum und eine reiche Ernte erbeten.

Auch das Lamm spielt in vielen Religionen, vor allem im Judentum und frühen Christentum als rituelles Opfertier eine Rolle. Bis heute fehlt es auf keinem traditionellen Frühlingsfest wie Ostern, Passahfest oder Opferfest. Das weiße, unschuldige Lamm steht bis heute als Synonym für die "Leiden Christi" (Agnus Dei)

Ein weiteres bekanntes Oster-Symbol ist der Hase. Er verkörpert seit jeher die Fruchtbarkeit und wird im "Dreihasenbild“ als Archetypus dargestellt. Drei springende Hasen sind in Kreisform angeordnet und jeder Hase hat zwar zwei Ohren, auf dem Motiv sind jedoch nur insgesamt 3 Ohren zu sehen. Es erinnert an eine Triskele und lässt im christlichen Kontext die Vermutung zu, die Heilige Dreifaltigkeit damit zu interpretieren. Die ersten Darstellungen des "Dreihasenkreises" sind aus dem 6. und 7.Jahrhundert überliefert. Sie stammen aus buddhistischen Höhlen in Touenhouang(China). Aus China kam das Symbol im 12. Jahrhundert über die Seidenstraße in den Nahen Osten, um dann später im Mittelalter nach Europa zu gelangen. Man findet es als Verzierungen auf früheren Metallprodukten und Keramiken. Anfang des 16.Jahrhunderts schuf ein Steinmetz das „Drei-Hasen-Fenster“ im spätgotischen Kreuzgang des Paderborner Doms, welches bis heute ein bekanntes Wahrzeichen der Stadt ist.

Foto: © Tourist Information Paderborn 

Ein besonderes Wahrzeichen, welches ich letztes Jahr um die Osterzeit besuchte, ist das „Tor in Glastonbury“ (Südengland). Daher meine spirituelle Oster-Interpretation in Form dieses keltischen Oster-Bildes, verbunden mit den besten Wünschen für Eure persönliche Wiedergeburt bzw. Euren Neubeginn …

Bildquelle: unbekannt

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Kommentare: 6
  • #1

    Barbara (Sonntag, 01 April 2018 23:52)

    Liebe Karin,
    Ich kann nur sagen, es ist Dir wieder gelungen . Ein ganz toller Bericht. Vielen Dank!

  • #2

    Claudia Querüber (Montag, 02 April 2018 10:04)

    Einiges war mir bekannt, aber vieles auch noch nicht! Sehr lesenswert! Freue mich auf mehr!

  • #3

    Wittmann Brigitte (Montag, 02 April 2018)

    Sehr interessant Karin, bin schon neugierig auf das nächste. �

  • #4

    Michael Schönberg (Montag, 02 April 2018 12:43)

    Schöner Beitrag. Sehr Informativ, ohne langweilig zu erscheinen. Habe wieder was glernt über Hüpelhasen, Kelten und warum ich mich am Osterfeuer wärmen kann. Danke dir für diesen Beitrag.

  • #5

    Rosa Ananitschev (Montag, 02 April 2018 19:48)

    Schön - auch mit den tollen Bildern! So lernt man immer wieder was dazu, auch als ungläubiger Mensch :-)

  • #6

    helga rikken (Dienstag, 03 April 2018 18:04)

    Herzlichen Danke für die ausfühlichen Osterbräuche, liebe Karin.
    Einiges war mir noch nicht bekannt. Interessant war die Saga der Göttin Ostara und noch Einiges mehr.
    Nochmals herzlichen Dank für deine Bemühungen.
    Helga