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Das Eigentor von Wallerstein

 

Dieser Tage stieß ich auf einen Artikel in der Zeitung, der mich nachhaltig beschäftigte. In diesem stand, dass Herr Sener Sahin sich auf Anraten von einigen CSU Mitgliedern in seiner Heimatstadt Wallerstein zur Bürgermeister-Wahl zur Verfügung stellen solle. Der Anwärter auf das Amt ist in Nördlingen geboren, betreibt in Wallerstein einen Maschinenhandel und engagiert sich im regionalen Fußballverein. Als Trainer hat er eine Erfolgsgeschichte vorzuweisen und bringt in Kürze ein Buch zum Thema "Ernährung-Darmgesundheit-Sport-Psyche" beim Steinmeier Verlag heraus. Dieses aktive Mitglied seiner Heimatgemeinde, der mitgestalten und was bewegen wollte, erlebte aufgrund seiner türkischen Wurzeln einen derartigen Widerstand, dass er seine Kandidatur wieder zurückzog. Die Begründung sei sein Glaube, denn ein Muslim im Bürgermeisteramt konnten sich viele CSU Mitglieder nicht vorstellen. Schließlich stünde das "C" für christlich und der Protest-Sturm nahm Fahrt auf.

 

Sogar Urgestein Peter Gauweiler fand erklärende Worte, indem er das für so abwegig halte wie eine katholische Pfarrstelle in Mekka. Was der CSU-Hardliner formuliert, ist an Ignoranz und Arroganz kaum zu überbieten. Demnach dürfte auch kein Atheist oder Buddhist für die CSU kandidieren? Sollte nicht endlich die tatsächliche Trennung von Staat und Kirche vollzogen werden? Es muss egal sein, welcher Religion jemand angehört! Es sei denn, er bewirbt sich explizit für ein theologisches Amt. Ansonsten entscheidet seine Qualifikation, sein Wunsch und Bestreben, sich für das Allgemeinwohl einzusetzen. Während Markus Söder den Rückzug des Bürgermeisterkandidaten für die anstehende Wahl bedauert und Klärung einfordert, haben die schwäbischen Landeier der CSU Basis ihre Chance verpasst. Nämlich einen hervorragend integrierten Kandidaten zu nominieren. Er hätte glaubwürdig den Zusammenhalt innerhalb unserer Wertegemeinschaft vorleben und den Dialog fördern können. Um es in den Worten von Sener Sahin als Fußballtrainer auszudrücken:

 

"Wallerstein hat sich ein Eigentor geschossen" … 

 

Abschließend freut es mich sehr, dass gestern Abend Ozan Iyibas einstimmig für den Chefposten im Rathaus von Neufahrn (Landkreis Freising) nominiert wurde. Mit 32 von 32 Stimmen wurde der erste muslimische Kandidat für das Bürgermeisteramt der CSU in Bayern bestätigt.  Geht doch …  

 

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