· 

"Flügel lassen"

Bildquelle: Getwallpapers.com
Bildquelle: Getwallpapers.com

Fast jeder kennt den Ausspruch "Wir alle müssen Flügel lassen" und dieser Sinnspruch fällt mir zur aktuellen Corona Krise ein! Nachdem die Zahlen der Infizierten weltweit und in Deutschland täglich steigen, wurden nötige und wichtige Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die Schulen und Kitas bleiben geschlossen, Bars und Diskotheken sind zu. Selbst Sportstätten und Kinderspielplätze gilt es zu meiden. Die sozialen Kontakte sollen auf das Nötigste eingeschränkt werden, um ältere Menschen und gefährdete Personengruppen zu schützen. In Bayern ist der Katastrophenfall ausgerufen worden, während der französische Staatspräsident Macron eine Ausgangsperre verhängt hat und davon spricht, sich im Krieg zu befinden. Wir alle sind aufgefordert besonnen und umsichtig zu handeln, um eine rasche Verbreitung des Virus zu verhindern oder zumindest einzudämmen. Spätestens seit dieser Woche weiß ein jeder, welche Gefahr besteht und wie wir uns absichern können. Die Medien berichten stündlich über aktuelle Entwicklungen.  

 

Unverständlich ist mir in diesem Zusammenhang ein Verhalten von zumeist jungen Leuten, die auf ihren Spaß nicht verzichten wollen und sogenannte "Corona-Partys" abhalten. Selbst in München steht die "Schickeria" am Viktualienmarkt und trinkt dicht an dicht gedrängt ihren Champagner oder Weißwein. Wie ignorant muss man sein, dass sich derartige Rücksichtslosigkeit präsentiert. Während sich Ärzte, Sanitäter, Feuerwehrleute, Alten- und Krankenpfleger, Verkäufer- oder Kassiererinnen, Polizisten und andere Berufsgruppen dem Risiko einer möglichen Ansteckung aussetzen und dennoch ihren Job vorbildlich ausüben, können so manch feierwütige Gruppierungen keinen Verzicht üben! Das macht mich traurig und wütend zugleich. Hatte ich doch die große Hoffnung, dass gerade dieses Virus auch eine Chance bedeuten kann.

 

Nämlich die Chance, dass wir als Gesellschaft wieder lernen, Verantwortung zu übernehmen! Verantwortung für unser Handeln und die damit einhergehenden Auswirkungen. Zu erkennen, dass unsere Helden ganz andere sind, als diejenigen die auf Hochglanzblättern verewigt werden. Es sind genau die Menschen, die sich für andere einsetzen, die ihr Leben oder ihre Gesundheit riskieren und ohne Wenn und Aber parat stehen. Es sind die, die weit unterbezahlt in einem System arbeiten müssen, das längste einer Reform bedarf. Es sind die Menschen, die nicht sofort stöhnen, weil sie gefordert sind, sondern die Ärmel hochkrempeln und anpacken. Es sind die Menschen, die ihre Seele nicht verkauft haben und mit dem Herzen sprechen können. Es sind die Menschen, die anderen trotz der Misere Freude und Mut vermitteln. Es sind die Menschen, die Schwächere bei der Hand nehmen und Hilfe geben. Es sind die Menschen, die in Politik und Administration die richtigen Weichen stellen. Es sind die Menschen, die an eine Gesellschaft glauben, in der wir wieder MENSCH sein können …

 

Kann es sein, dass dieses kleine Virus uns nun auffordert eine notwendige Zäsur vorzunehmen? Werden wir zu einer Rückkehr gezwungen. Weg von der Allmacht des Geldes und den weltweiten Finanzmechanismen, die ganze Volkswirtschaften und unsere Umwelt zerstören? Sollten wir nun in dem erzwungenen Stillstand feststellen, das Produktivität sich auch ganz anders manifestieren kann. Nämlich den Menschen wieder in den Fokus der Arbeitswelt zu stellen und sein Know-How zu fördern. Ließe sich ein Gesundheitswesen etablieren, welches nicht nur auf Fallpauschalen basiert.  Erhalten Firmen, die Leistungen und Waren im Inland herstellen wieder Aufträge, die wegen Kostenoptimierung beispielsweise nach China verlagert wurden. Zahlen wir gern einen kleinen Obolus und stützen wir heimische Landwirtschaft, die ihren Namen verdient. Gibt es Investitionsprogramme für kluge Köpfe und visionäre Ideen. Sind wir bereit das kleine Geschäft nebenan zu unterstützen und nicht nur aus Bequemlichkeit online zu bestellen. Haben wir verlernt mit unseren Kindern zu lesen, zu singen, sie kreativ zu fördern. Kann es sein, dass dieses kleine Virus bedingt durch die Einschränkungen nun Impulse freisetzt und ganz ungeahntes Potenzial gedeiht? Womöglich entstünde ein viel besseres Bildungssystem. Sollten Firmen grundsätzlich viele Mitarbeiter im Home Office beschäftigen, damit man sich nicht jeden Tag im Verkehrs-Kollaps befindet und zudem die Umwelt entlastet wird. Stellen wir womöglich fest, dass eine Krankenschwester oder Altenpflegerin eine wesentlich höhere Wertschätzung erhalten sollte, als es bis dato geschehen ist.  Kann es sein, dass Corona eine Zeitenwende einläutet, wo wir erstmal "Flügel lassen müssen", um eine bessere lebenswertere Zukunft zu gestalten ...

 

Ich wünsche allen Lesern von Herzen, bleiben Sie gesund

Ihre Karin Biela

Kommentar schreiben

Kommentare: 0